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Unser Pfarrer Werner Giesler

Vor 31 Jahren war ich nach dem zweiten Theologischen Examen auf der Suche nach meiner ersten Pfarrstelle. Endlich! Endlich nach langem Lernen und Studieren die Bücher zuklappen und arbeiten dürfen. Die Kirchenverwaltung hatte mir dazu eine Liste von freien, für Berufsanfänger geeigneten, Pfarrstellen in die Hand gegeben und mich auf die Suche geschickt. Zwei Pfarrstellen wurde unter anderem in Karben angeboten. Als wir in Klein-Karben einfuhren, um uns die Stelle anzusehen, entfuhr mir: „Was für ein hässlicher Ort ... !“ (die alten Kärber mögen mir diesen Ausruf verzeihen). Als ich allerdings dann die Kirche, den Garten, ja das ganze Gelände der Kirchengemeinde sah, dachte ich,  „... und mittendrin eine Oase!“
Diese Oase hat dann zunächst dazu geführt, mich für die Pfarrstelle zu interessieren. Der Plan war,  fünf Jahre hier zu bleiben, sich auszuprobieren, das Pfarrersein zu üben. Dann wollte ich wechseln. Dazu ist es allerdings nicht gekommen. Und das lag daran, dass sich auf wundersame Weise der Ort vor meinem inneren Auge vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan verwandelte. Wie das? Zunächst gingen der Kirchenvorstand, die Mitarbeiterinnen, die Gemeindeglieder, die Menschen hier im Dorf freundlich auf mich zu. Sie ließen es zu, dass ich alles Mögliche ausprobierte und manchmal ganz unkonventionelle Sachen initiierte. So richtete ich erst einmal die Osternachts- und Christmettengottesdienste ein, rief das Gemeindefest ins Leben. Ich erlaubte den ersten Konfirmanden einen alten Hühnerstall zum Jugendtreff auszubauen und sich selbst, ohne Pfarrer, zu treffen. Ich veranstaltete Mahnwachen für den Frieden während des ersten und zweiten Irakkrieges. Ich half mit, dass Karben einen mobilen Pflegedienst bekam und eine Schulsozialarbeit, ich kümmerte mich um Flüchtlinge und half mit, dass wir eine gut funktionierende Kammerkonzertreihe haben.
Bei alldem suchte und suche ich den Kontakt zu allen Menschen im Ort.  Und weil all das und noch weit mehr die Gemeinde mitmachte, mal ertrug und dann wieder unterstützte, weil sie mich hier gut ankommen ließ, freundlich zu mir war, weil wir gut miteinander arbeiteten, stellte sich nach fünf Jahren nicht mehr die Frage: „Wohin gehe ich jetzt?“
Karben ist mir ein Zuhause geworden und deshalb bin ich noch immer hier und fühle mich in dem hässlich wunderschönen Ort unter all den Menschen wohl.
Karben ist vielleicht nicht auf den ersten, aber ganz bestimmt auf den zweiten Blick lebenswert!
Und so will ich weiterhin mit den Menschen Karbens an einem menschenwürdigen, guten und vor allem gesegneten Leben weiterarbeiten in der Gewissheit, dass Gott auf unserer Seite ist.

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